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Verfall Hotel Astoria, Willy-Brandt-Platz

Antrag-Nr. VIII-A-02310

Beschlussvorschlag
1. Der Oberbürgermeister wird beauftragt, gegenüber der Eigentümerin des
Grundstücks des ehemaligen Hotels Astoria am Willy-Brandt-Platz, der Vivio AG,
förmlich nach § 175 I BauGB anzuzeigen, dass er beabsichtigt, ein Modernisierungs-
und In-standsetzungsgebot gemäß § 177 BauGB zu erlassen und sie zu
entsprechenden Erörterungen aufzufordern.

2. Der Oberbürgermeister berichtet dem Fachausschuss für Stadtentwicklung und Bau
halbjährlich über die Erörterungen.

    Sachverhalt
    Mit Antrag Nr. VIII-A-00138 wurde der Oberbürgermeister beauftragt zu prüfen, ob durch ein
    Modernisierungs- und Instandsetzungsgebot nach § 177 BauGB eine kurzfristige Wie-
    deraufnahme der Bauarbeiten am Astoria im Rahmen der Baugenehmigung vom 06.07.2023
    erreicht werden kann. Hierauf reagierte der Oberbürgermeister im Rahmen des Verwaltungs-
    standpunktes Nr. VIII-A-00138.VSP-01 mit einem Sachstandsbericht. Hiernach komme ein
    Modernisierungs- und Instandsetzungsgebot nach § 177 BauGB derzeit nicht in Betracht. Es
    seien zuvor Erörterungen und Beratungen mit dem Eigentümer erforderlich. In der Tat sind
    solche Erörterungen nach § 175 I BauGB vorgesehen. Es ist allerdings zu beachten, dass
    die Bauarbeiten am ehemaligen Hotel Astoria seit Februar 2020 (!) stillstehen. Daher ist die
    antragstellende Fraktion zu der Auffassung gelangt, dass sich die Ratsversammlung dieser
    Angelegenheit annehmen muss. Sinnvolle Erörterungen über den nicht unerheblichen
    Eingriff ist das Privateigentum setzt voraus, dass der Eigentümerin klar vor Augen geführt
    wird, was beabsichtigt ist. Nur dann gibt es eventuell eine Chance, zu einer gütlichen,
    2/3
    freihändigen Lösung. So kann z. B. eine vertragliche Vereinbarung zur Durchführung der
    Bebauung an die Stelle eines Baugebots treten (vgl. Ernst/Zinkhahn pp., BauGB, § 175 RN
    32).
    Im Rahmen der Erörterung soll die Stadt die Eigentümerin auch darüber beraten, wie die
    Maßnahme durchgeführt werden kann und welche Finanzierungsmöglichkeiten aus öffentli-
    chen Kassen bestehen. Eine solche Beratung setzt allerdings zwingend voraus, dass klar
    gemacht werden muss, wer für den derzeit desolaten Zustand des Gebäudes verantwortlich
    ist:
    Die Bauarbeiten begannen 2018 und bestanden lediglich in Abrissarbeiten. Das zunächst
    geschlossene Gebäude wurde beschädigt, ohne die Bauarbeiten fortzuführen. Insofern muss
    klar sein, dass die wesentlichen Kosten der jetzt erforderlichen Instandsetzung durch die
    Bauherrin als Verursacherin zu tragen sind.
    Hinsichtlich des Antrags zu 2) hält es die antragstellende Fraktion für erforderlich, dass sei-
    tens der Verwaltung gegenüber dem zuständigen Fachausschuss über die Erörterungen mit
    der Eigentümerin zu berichten ist. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass seitens
    der Bauverwaltung eine dilatorische Behandlung vorliegt. Dem soll durch regelmäßige Be-
    richte gegenüber dem Fachausschuss entgegengewirkt werden.
    Zum wiederholten Male weist die antragstellende Fraktion drauf hin, dass die Voraussetzun-
    gen für ein Modernisierungs- und Instandsetzungsgebot nach § 177 BauGB vorliegen. Die
    bauliche Anlage ist erneuerungsbedürftig und wegen ihre städtebaulichen, insbesondere ge-
    schichtlichen und künstlerischen Bedeutung erhaltenswert. Das 1915 fertiggestellte Grand-
    hotel Astoria galt als DAS Hotel zum Hauptbahnhof von Leipzig. Es wurde im Zusammen-
    hang mit dem Hauptbahnhof von den Architekten Lossow und Kühne ein einmaliges archi-
    tektonisches Ensemble geschaffen. Auch aus den diversen Stellungnahmen der
    Stadtverwaltung ergibt sich, dass man an einer Erhaltung dieses unter Denkmalschutz
    stehenden Gebäudes interessiert ist. Nur leider fehlt ein zielgerichtetes Vorgehen zur
    Beseitigung der oben geschilderten Problematik des zunehmenden Verfalls des Gebäudes.
    In der Ratsversammlung vom 25.06.2025 wurde der gleichlautende Antrag der AfD-Fraktion
    abgelehnt. In der Debatte wurde zum Teil darauf hingewiesen, dass der beantragte Be-
    schluss gar nicht notwendig sei, weil die Bauherrin demnächst mit den Bauarbeiten beginnen
    werde.
    Am 12.07.2025 meldete „Tag 24“:
    3/3
    „Zwar hat sich an den Plänen, nach denen ein Hotel mit circa 120 Zimmern sowie weiteren
    Apartments entstehen soll, nichts geändert. ‚Diese Nutzung ist aus unserer Sicht optimal für
    den Standort‘, so der Sprecher von Vivion. Dennoch müsse man die aktuellen politischen
    und wirtschaftlichen Gegebenheiten wie den Ukraine-Krieg und den Nahost-Konflikt mit
    bedenken und das Konzept dementsprechend neu auf den Prüfstand stellen. Einen
    konkreten Zeitplan scheint es zum aktuellen Zeitpunkt nicht zu geben. Dieser werde derzeit
    überarbeitet, heißt es abschließend.“
    https://www.tag24.de/leipzig/lokales/baustelle-astoria-hotel-stadt-und-eigentuemer-im-
    gespraech-ueber-fortschritte-3386617
    Auch in der Folgezeit ist bis heute hinsichtlich der genehmigten Bauarbeiten am ehemaligen
    Hotel Astoria nichts geschehen. Im Hinblick auf den fortschreitenden Verfall des Gebäudes
    sieht die antragstellende Fraktion keine andere Möglichkeit, als ein Modernisierungs- und
    Instandsetzungsgebot zu fordern.

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